Der Erfinder der Antivirus-Software
kommt aus Bochum

Es war einmal mitten im Ruhrgebiet, da trafen sich Kai Figge und Andreas Lüning, zwei junge Informatikstudenten in einem Copy-Shop. Beide waren technikaffin und hatten ein Faible für den 1985 erschienenen Heimcomputer Atari ST. Sie waren sich einig, dieser Rechner hatte Potenzial, jedoch gab es wenig Software – und das wollten die beiden für die schnell wachsende Fangemeinde ändern.

Als Deutschland noch durch eine Mauer getrennt war und aus den zwei Staaten DDR und BRD bestand, Gorbatschow zum KPdSU-Generalsekretär gewählt und in allen Diskotheken „Live is Life“ geschmettert wurde, gründeten die beiden 1985 die G DATA Software AG. Sie starteten mit einem ersten kleinen, aber nützlichen und zudem gleich erfolgreichen Produkt. Denn der Atari vergaß nach jedem Ausschalten die Uhrzeit und das nervte nicht nur die beiden Tüftler. Kurzerhand schrieben sie ein Programm, verknüpften es mit einer Uhr und steckten sie dem Heimcomputer an. Von da an wusste der Atari stets, was die Stunde geschlagen hat. Bei dieser Premiere zeigten sich auch die Vorteile der elterlichen Gartenlaube, da man neben dem Programm auch Uhren benötigte, die bis zum Versand gelagert werden mussten.

Die Erfinder des AntiVirus

Gegen die Bedenken der Eltern – ohne Studium hätten sie ja „nichts Anständiges gelernt“ – gelang den beiden Unternehmensgründern kurz darauf eine bahnbrechende Erfindung, ohne die kein einziger Computer mit Internetzugang sicher wäre. 1987 entdeckte Andreas Lüning auf den Disketten seines Atari-ST-Heimcomputers zwei der ersten in Umlauf befindlichen Bootsektor-Viren. Das war der Anlass, ein Programm zur Prüfung und Reinigung der Disketten zu schreiben und für andere Atari-ST-Nutzer zu vertreiben – geboren war das weltweit erste kommerzielle Virenschutzprogramm, die Keimzelle der G DATA Erfolgsgeschichte.

Andreas Lüning erinnert sich: „Im Mittelpunkt stand bei uns der Spaß am Programmieren, wir haben aus unserem Hobby erfolgreich ein Geschäft gegründet. Die Idee, ein Virenschutzprogramm zu schreiben, verdanken wir lediglich dem Zufall: Ohne die Infektion in meiner Diskettensammlung wären wir nicht darauf gekommen. Doch Kai hat gleich das große Potenzial dahinter erkannt. Denn natürlich musste jeder Atari-ST-Besitzer enormes Interesse daran haben, seinen Computer frei von Schädlingen zu halten. Zudem gab es auf diesem Gebiet keinen einzigen Mitbewerber. Wir haben also tatsächlich das Virenschutzprogramm erfunden und als Erster vermarktet. Spätestens mit unserem AntiVirenKit für MS-DOS mit erstmals eigener grafischer Benutzeroberfläche war klar, dass wir in diesem Geschäftsfeld die größte Expertise und den größten Erfolg haben.“